• Es gibt keine Vorschläge, da das Suchfeld leer ist.
Deutsch
Deutsch

E-Commerce-Kommissionierlager: Prozesse, KPIs und smarte Teilautomatisierung mit WMS-Optimierung

Teil 3 unserer Miniserie: Dark Store ist nicht gleich Dark Store. Effizienz für personallose Lager und E-Commerce-Kommissionierlager


In Teil 1 und 2 unserer Miniserie stand der Dark Store als weitgehend personalloses Lager im Fokus. Dort entscheiden Bestandswahrheit, Orchestrierung, Recovery und ein belastbares Ereignismodell darüber, ob Automatisierung stabil läuft. 

Dieser 3. Teil betrachtet die andere - in der Praxis häufigere - Bedeutung von Dark Store: ein E-Commerce-Kommissionierlager im Supermarkt-Layout, optimiert auf schnelle Auftragsabwicklung, kurze Cut-off-Zeiten und hohe Prozessdisziplin: 

  • Im Zentrum stehen die typischen End-to-End-Prozesse vom Wareneingang bis zur Übergabe an Versand oder Auslieferung, die wichtigsten Kennzahlen für Produktivität und Qualität sowie Kommissionierstrategien wie Batch, Wave und Zonenpicking.
  • Ergänzend wird gezeigt, welche Teilautomatisierung im Mittelstand besonders schnell wirkt und an welchen Stellen ein Warehouse Management System durch gezielte Optimierung, zum Beispiel bei Priorisierung, Slotting, Nachschub und Ausnahmeprozessen, den größten Hebel liefert.

Der Dark Store als E-Commerce-Kommissionierlager - Kontext und Zielbild 

Warum dieses Modell für KMU oft der schnellste Einstieg ist 

Ein Dark Store für E-Commerce-Kommissionierung lässt sich meist schneller aufsetzen als eine Vollautomation. Layout, Prozesse und IT können schrittweise aufgebaut werden, während bereits früh Produktivitätseffekte entstehen.  

Die Investitionen sind besser skalierbar, und der Betrieb bleibt anpassungsfähig bei Sortiment, Absatzkanälen und Liefermodellen. 

Typische Grenzen: Wegezeiten, Peak-Handling, Ergonomie 

Die größten laufenden Kosten im Betrieb eines E-Commerce-Lagers entstehen häufig durch Laufwege und das Handling von Spitzenlasten. Wenn Kommissionierer weite Strecken zurücklegen und gleichzeitig viele Aufträge in kurzer Zeit abgearbeitet werden müssen, sinkt die Produktivität schnell und zusätzliche Schichten oder kurzfristige Aushilfen werden nötig. Ohne saubere Zonenlogik, also eine klare Aufteilung in Bereiche mit definierten Pickwegen und Verantwortlichkeiten, und ohne konsequente Nachschubdisziplin, bricht die Leistung in Peaks besonders leicht ein. Typische Folgen sind leere Fächer in Fast Mover Bereichen, häufige Unterbrechungen durch Suchzeiten und Nachfüllfahrten sowie steigende Fehler und Ersatzquoten, weil unter Zeitdruck häufiger falsch gegriffen oder Artikel nicht gefunden werden. 

Ergonomie wird dabei zu einem echten Produktivitätsfaktor. Wiederholte Handgriffe, ungünstige Greifhöhen, schweres Heben und unnötige Drehbewegungen summieren sich über tausende Picks am Tag. Je mehr Zeit pro Pick in Bewegung und Handling statt in tatsächlicher Entnahme steckt, desto stärker sinken Picks pro Stunde. Gleichzeitig steigt die körperliche Belastung, was sich in mehr Pausen, höherer Fehleranfälligkeit und langfristig auch in Ausfallzeiten niederschlagen kann. Deshalb gehören Layout, Wegeführung, Artikelplatzierung und die Gestaltung von Pack- und Staging-Bereichen nicht nur zur Arbeitsplatzgestaltung, sondern direkt zur Leistungssteuerung des Lagers. 

Layout und Prozesse im E-Commerce Dark Store 

Zonen, Gänge, Fast und Slow Mover 

Ein funktionierender Dark Store definiert Zonen nach Umschlag und Artikelfamilien. Fast Mover gehören nahe an Packplätze, Slow Mover dürfen weiter weg, solange Wege und Bündelung passen. Eine klare Stellplatzlogik reduziert Suchzeiten und erleichtert Vertretungen. 

Wareneingang, Umlagerung, Nachschub 

Wareneingang und Umlagerung sichern Bestandsqualität. Nachschub ist der stille Engpass: leere Fächer erzeugen Unterbrechungen, Ersatzartikel und Nacharbeit. Nachschub muss als eigener Task geplant und priorisiert werden. 

Picking, Packen, Staging, Übergabe an Versand oder Auslieferung 

Kommissionierung liefert die Menge, Packen liefert die Qualität. Staging ist der definierte Bereitstellungsbereich, in dem fertige Aufträge gesammelt, geprüft, korrekt etikettiert und nach Übergabeart sortiert werden, bevor sie das Lager verlassen. Je nach Modell gehen Sendungen an Versanddienstleister oder in Auslieferungstouren, jeweils mit klaren Cut-off Regeln. 

Ausnahmeprozesse im E-Commerce: Ersatzartikel, Out of Stock, Retouren, Klärfälle 

Ohne definierte Ausnahmen entstehen Schattenprozesse. Ersatzartikel brauchen Regeln, Out of Stock braucht klare Behandlung von Reservierungen, Retouren und Klärfälle brauchen gesonderte Flüsse, damit der Hauptprozess nicht blockiert. 

WMS-Anforderungen für E-Commerce-Kommissionierung 

Echtzeitbestand, Reservierung, Prioritäten nach Cut Off 

Das Warehouse Management System muss Reservierungen, Stornos und Priorisierungen in kurzer Taktung verarbeiten können. Cut-off Zeiten steuern dabei, welche Aufträge sofort in die Kommissionierung freigegeben werden und welche noch warten dürfen, damit Durchsatz und Servicelevel zuverlässig eingehalten werden. 

Batch, Wave, Zonenpicking, Multi Order Picking 

Hohe Leistung entsteht in der E-Commerce-Kommissionierung vor allem dadurch, dass ähnliche Arbeitsschritte gebündelt werden. Statt für jeden Auftrag einzeln durch das Lager zu laufen, werden Aufträge so zusammengefasst, dass möglichst viele Entnahmen mit möglichst wenig Wegstrecke erledigt werden. 

  • Batch Picking bedeutet, dass mehrere Aufträge gleichzeitig gepickt werden, typischerweise in einem Sammelbehälter oder mit mehreren Fächern auf einem Wagen. Das reduziert Laufwege, weil eine Position nur einmal angelaufen wird, auch wenn sie für mehrere Aufträge benötigt wird. Wave Picking geht einen Schritt weiter und fasst Aufträge zu einer Welle zusammen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt freigegeben wird - zum Beispiel passend zu Cut-off Zeiten, Packkapazitäten oder Abholfenstern. So wird der Materialfluss geglättet und Spitzen werden besser beherrschbar.
  • Zonenpicking teilt das Lager in Bereiche auf, die jeweils von festen Teams oder Pickern bedient werden. Dadurch verkürzen sich Wege, Spezialisierung entsteht und paralleles Arbeiten wird möglich. Die einzelnen Teilpicks müssen anschließend zusammengeführt werden, etwa an einem Packplatz oder in einer Konsolidierungszone.
  • Multi-Order-Picking beschreibt Verfahren, bei denen ein Picker pro Lauf mehrere Aufträge parallel bedient, oft über Mehrfachbehälter oder Pickwagen mit Unterteilungen. Das erhöht die Picks pro Weg deutlich, verlangt aber hohe Scan-Disziplin und klare Prozesse, weil jede Entnahme eindeutig dem richtigen Auftrag oder Fach zugeordnet werden muss. Ohne konsequentes Scannen und saubere Bestätigung entstehen schnell Verwechslungen, Fehlmengen und Nacharbeit, was den Produktivitätsgewinn wieder aufzehrt.

Wegeoptimierung, Slotting, dynamische Picklisten 

Wegeoptimierung und Slotting gehören zu den Hebeln mit dem schnellsten Effekt. Slotting bedeutet die gezielte Platzierung von Artikeln auf Lagerplätzen, zum Beispiel Fast Mover nahe an Packplätzen und schwere oder häufig kombinierte Artikel in gut erreichbaren Bereichen. Wenn Artikel sinnvoll platziert sind und Pickrouten kurz bleiben, steigt die Leistung sofort, ohne zusätzliche Technik. Dynamische Picklisten passen sich laufend an, indem sie Prioritäten, den aktuellen Nachschubstatus und die Auslastung einzelner Zonen berücksichtigen. 

Prozesse, Scanning Disziplin, Quality Gates 

Mobile Dialoge müssen schnell, eindeutig und fehlertolerant gestaltet sein, damit Kommissionierer ohne Umwege arbeiten können. Quality Gates wie Scan-Pflicht, Gewichtskontrollen oder Fotobelege senken Fehlerkosten deutlich, weil falsche Picks früh erkannt und Nacharbeit sowie Reklamationen vermieden werden. 

Workforce und Task Management 

Task Management verbindet Kommissionierung, Nachschub und Packprozesse in einer gemeinsamen Aufgabensteuerung. Ziel ist, Arbeit zu parallelisieren, ohne Unruhe in den Ablauf zu bringen, durch klare Prioritäten und eine transparente Sicht auf Auslastung und Engpässe. 

Sinnvolle Automation ohne Vollautomatisierung für E-Commerce-Kommissionierung  

Pick-by-Light, Put-to-Light, Waagenkontrolle, Inline-Labeling 

Pick-by-Light ist ein lichtgeführtes Kommissioniersystem, bei dem ein Leuchtpunkt am Lagerfach anzeigt, wo zu entnehmen ist, und eine Anzeige die Menge vorgibt. Put-to-Light funktioniert umgekehrt beim Sortieren oder Konsolidieren, indem Leuchten zeigen, in welchen Auftrag oder Behälter ein Artikel gelegt werden soll. Beide Verfahren beschleunigen Abläufe und senken Fehlgriffe, weil die Führung eindeutig ist. Eine Waagenkontrolle prüft zusätzlich, ob das Gewicht im Behälter oder Paket zur erwarteten Bestellung passt und erkennt fehlende oder falsche Artikel früh. Inline-Labeling bedeutet, dass Versandetiketten automatisch im Packprozess erzeugt und direkt aufgebracht werden, wodurch manuelle Schritte entfallen, und die Prozessqualität steigt. 

AMR-Unterstützung: wann Ware zur Person sinnvoll wird 

Autonomous Mobile Robots sind autonome mobile Roboter, die Behälter oder Wagen zwischen Lager und Arbeitsplätzen transportieren. Sie sind besonders sinnvoll, wenn Laufwege den größten Zeitanteil verursachen und Packplätze als Engpass klar gesteuert werden. Damit das funktioniert, braucht es ein sauberes Aufgabenmodell, das Transporte, Picking und Packing synchronisiert, sowie ein verlässliches Bestandsmodell, das jede Einheit eindeutig verfolgt. Fehlen diese Grundlagen, entsteht schnell zusätzlicher Verkehr, Wartezeiten an Übergabepunkten und unklare Zustände im Bestand. 

Hybridansätze: Micro-Fulfillment Inseln für Fast Mover 

Micro Fulfillment Inseln sind kompakte Automationsbereiche, die nur einen Teil des Sortiments abdecken, typischerweise die schnell drehenden Artikel. Solche Inseln entlasten die Fläche, weil ein hoher Anteil der Picks aus einem automatisierten Bereich kommt, während der Rest weiterhin manuell kommissioniert wird. Das ist besonders wirksam bei wiederkehrenden Bestseller-Profilen und starken Peaks, weil Durchsatz in der Fast Mover Zone stabilisiert wird und das übrige Lager weniger unter Druck gerät. 

Systemanpassungen und Skalierung mit einem Integrator wie Bitergo 

Die Anbindung an ERP, Online-Shop, OMS, Systeme der Versanddienstleister und die Zustellungsterminplanung entscheidet oft darüber, wie stabil der Betrieb läuft. Systemanpassungen sollten gezielt dort erfolgen, wo sie messbar helfen, zum Beispiel: 

  • Steuerungsregeln
  • Bedienoberflächen
  • Packlogik
  • Cut-off Steuerung
  • klare Abläufe für Sonderfälle

Monitoring und Warnmeldungen sowie Peak Testfälle sichern die Qualität auch dann ab, wenn viele Stornos in kurzer Zeit eintreffen. Die Skalierung erfolgt anschließend, ohne das Warehouse Management System grundsätzlich neu aufbauen zu müssen, über:

  • zusätzliche Zonen
  • neue Sortimente
  • weitere Versanddienstleister
  • bei Bedarf zusätzliche Standorte.

Dabei übernimmt ein Integrator wie Bitergo die durchgängige Umsetzung von Architektur, Schnittstellen, Customizing, Tests und Rollout. So bleiben Standardkomponenten erhalten und Erweiterungen erfolgen möglichst kontrolliert, effizient und risikoarm. 

KPIs und Fazit zur WMS-Implementierung beim E-Commerce-Kommissionierlager 

Die Anbindung an das Enterprise Resource Planning System, den Online-Shop, das Order Management System, die Systeme der Versanddienstleister und die Zustellungsterminplanung entscheidet oft darüber, ob ein E-Commerce Dark Store ruhig und stabil läuft oder ob sich kleine Verzögerungen sofort zu Störungen aufschaukeln. Wenn Aufträge, Reservierungen, Stornos und Versandstatus nicht in allen Systemen synchron sind, entstehen Bestandsfehler, doppelte Arbeit oder Stopps bei der Verpackung und im Versand. 

Systemanpassungen sollten deshalb gezielt dort ansetzen, wo sie im Alltag messbar wirken. Das betrifft vor allem klare Steuerungsregeln, verständliche Bedienoberflächen für mobile Prozesse, saubere Packlogik, eine verlässliche Cut-off Steuerung und robuste Abläufe für Sonderfälle, etwa nicht verfügbare Artikel, Ersatzartikel, Retouren oder Storno Wellen. Ergänzend sorgen Monitoring und Warnmeldungen dafür, dass Schnittstellenprobleme oder Datenqualitätsfehler früh erkannt werden, bevor sie den Betrieb treffen. Peak Testfälle sind wichtig, um zu prüfen, ob die Lösung auch bei hoher Last stabil bleibt, zum Beispiel bei Aktionen, Wetter-Peaks oder wenn viele Aufträge kurzfristig storniert oder umpriorisiert werden. 

KPIs für den Site Acceptance Test und das kontinuierliche Monitoring im Betrieb  

Folgende KPIs machen Integration, Datenqualität und operative Stabilität messbar, damit Abweichungen früh sichtbar werden und sich gezielt priorisieren lässt, welche Schnittstellen oder Prozessschritte den größten Einfluss auf Durchsatz, Bestandsgenauigkeit und termingerechten Versand haben. 

Integration und Datenqualität

  • Schnittstellen Verfügbarkeit in Prozent
  • Anteil erfolgreicher Nachrichtenverarbeitung
  • Nachrichten Latenz Ende zu Ende, zum Beispiel OMS bis WMS bis Carrier
  • Retry Quote und Fehlerrate je Schnittstelle
  • Anteil ungeklärter Exceptions im Leitstand
  • Bestandsabweichung Soll-Ist, nach Artikeln und Zonen
  • Doppelbuchungen oder Dubletten Rate, pro 1000 Aufträge

Stabilität unter Last und Storno Wellen

  • Peak Durchsatz Orders pro Stunde ohne SLA-Bruch
  • Queue Längen und maximale Warteschlangenzeit in Peak Phasen
  • Storno Durchlaufzeit, Eingang bis wirksam in allen Systemen
  • Anteil Stornos, die zu manuellen Eingriffen führen
  • Recovery Zeit nach Störung oder Restart, bis Normalbetrieb

Operative Performance im Dark Store

  • Order Cycle Time, Auftragseingang bis Versandbereit
  • Cut-off Einhaltung, Anteil pünktlich versandter Aufträge
  • Pick Rate und Pack Rate je Stunde und Arbeitsplatz
  • First Time Right im Packprozess, ohne Nacharbeit

  • Rework Quote, Nachkommissionierung, Umpacken, Klärfälle
  • Scan Compliance, Anteil Prozessschritte mit Scan bestätigt

Carrier und Zustellung 

  • Label Error Rate und Fehlrouting Quote
  • Carrier Manifest Erfolgsquote
  • On-time Dispatch, pünktliche Übergabe an Carrier
  • Delivery Slot Planerfüllung, zugesagter Slot vs. tatsächliche Übergabe
  • Rate an Rückläufern aufgrund Adress- oder Labelfehlern

Skalierung der WMS-Lösung 

Die Skalierung erfolgt anschließend schrittweise und ohne Neuaufbau des Warehouse Management Systems. Typische Schritte sind zusätzliche Zonen, neue Sortimente, weitere Versanddienstleister, zusätzliche Packplätze und bei Bedarf die Anbindung eines zweiten Standorts. Entscheidend ist, dass Architektur und Schnittstellen von Anfang an so ausgelegt sind, dass Erweiterungen als planbare Module ergänzt werden können. 

Hier spielt ein Integrator wie Bitergo eine zentrale Rolle. Bitergo übernimmt die Gesamtverantwortung für Zielarchitektur, Schnittstellenkonzept, Systemanpassungen und die Anbindung von Technik und Prozessen, inklusive Tests, Inbetriebnahme und stabiler Übergabe in den Betrieb. Dadurch bleiben Standardkomponenten weitgehend erhalten, Anpassungen werden kontrolliert umgesetzt und die Lösung wächst mit dem Geschäft, ohne dass bei jeder Erweiterung grundlegende Umbauten nötig werden. 

Für einen kurzen Erstcheck zu Layout, WMS-Anforderungen, Integrationsaufwand und einer realistischen Roadmap unterstützt Bitergo bei Systemintegration, Anpassungen und Skalierung. Eine Kontaktaufnahme über bitergo.com ist der nächste Schritt.

Verwandte Beiträge

Get notified on new marketing insights

Be the first to know about new B2B SaaS Marketing insights to build or refine your marketing function with the tools and knowledge of today’s industry.