Dieses Dokument richtet sich an Logistikleiter, die ihr Lager mit Hilfe von Bitergo WMS verwalten wollen und nun als Erstes das Lager einrichten (d.h. in der Software abbilden) müssen.
Der Leser muss die gängigen Begrifflichkeiten und Grundkenntnisse im Bereich der Lagerverwaltung besitzen. Einschlägige Begriffe sind im Glossar definiert.
Buchempfehlung:
Warehouse ManagementOrganisation und Steuerung von Lager- und Kommissioniersystemen
Autoren: Hompel, Michael, Schmidt, Thorsten
© 2010
Sämtliche Apps zur Einrichtung des Lagers lassen sich an einem Bildschirmarbeitsplatz mit Browser bedienen. Für die Einrichtung Ihres Lagers benötigen Sie die folgenden Bitergo WMS Apps:
Die korrekte Einrichtung der Stammdaten ist für einen erfolgreichen Einsatz der Apps besonders wichtig. Wie bei jedem Lagerverwaltunsgssystem ist das die Grundvoraussetzung für eine problemlose Einführung. |
Die Einrichtung eines Lagers wird an einem Beispiel beschrieben, das typische Einsatzfälle abdeckt. Die Abbildung zeigt das Beispiellager. Die Beispieldaten müssen jeweils an die individuellen Anforderungen angepasst werden. Folgende Stammdaten müssen bei der Einrichtung eines Lagers in dieser Reihenfolge angelegt werden:
In der obigen Liste ist hinter den fachlichen Begriffen die englische Bezeichnung des Business Objects angegeben und die technische Spezifikation verlinkt. Die technische Spezifikation ist nur für ein tiefergehendes technisches Verständnis erforderlich, z.B. um einzelne Datenfelder für die Schnittstellenprogrammierung einzusehen.
Ein Akteur ist ein Unternehmen, für das eine Geschäftsbeziehung verwaltet werden soll. Akteure müssen jeweils einer Rolle zugeordnet werden:
Ein Akteur mit der Rolle Betreiber muss im System vorhanden sein. Der Betreiber ist gleichbedeutend mit dem eigenen Unternehmen. Sofern ohne Mandantenbezug gearbeitet wird, sind alle Bestände und Ressourcen implizit dem Betreiber zugeordnet. Er wird automatisch bei der Bereitstellung angelegt. Zunächst muss in der WebApp Stammdaten geprüft werden, dass dies der Fall ist. Sodann kann der Betreiber um die Daten des eigenen Unternehmens ergänzt werden wie dort beschrieben.
Ein Akteur mit der Rolle Mandant ist ein Mandant im Sinne von „Ein Lager mit einem verantwortlichen Betreiber (=Kontraktlogistiker) und mehreren Mandanten (=Vertragskunden)“, s. Grundlagen – Mandantenbezug.
Zum Anlegen eines Mandanten gehen Sie wie unter Anlegen eines Partners (Akteur) vor und weisen dem Akteur die Rolle Mandant zu. In den Beispieldaten ist ein Mandant Müller Märkte GmbH vorgesehen.
Die hier gepflegten Mandanten können in den folgenden Prozessen ausgewählt werden, um einen Mandantenbezug herzustellen. Im Beispiel findet die Option Bestandsdaten mit Mandantenbezug Anwendung. |
Ein Akteur mit der Rolle Lieferant ist ein Lieferant, bei dem Ware bestellt wird und diese Ware im Wareneingang vereinnahmt wird. Zum Anlegen eines Lieferanten gehen Sie wie unter Anlegen eines Partners (Akteur) vor und weisen dem Akteur die Rolle Lieferant zu. In den Beispieldaten finden Sie den Lieferanten Windelmüller GmbH & Co KG, der Artikel herstellt und in das Lager liefert.
Die hier gepflegten Lieferanten werden z.B. im Wareneingang oder bei der Bestellung eines Lieferavis angezeigt |
Ein Akteur mit der Rolle Kunde ist ein Kunde, an den Ware versendet wird. Hier müssen insbesondere die Adressdaten (Versandadresse) gepflegt werden.
Zum Anlegen eines Kunden gehen Sie wie unter Anlegen eines Partners (Akteur) vor und weisen dem Akteur die Rolle Kunde zu. In den Beispieldaten finden Sie den Kunden Meyer Drogeriebedarf GbR, an den Artikel aus dem Lager versendet werden.
Die hier gepflegten Kunden werden z.B. bei der Erstellung eines Versandauftrages angezeigt. |
Zum Anlegen eines Frachtführers gehen Sie wie unter Anlegen eines Partners (Akteur) vor und weisen dem Akteur die Rolle Frachtführer zu. In den Beispieldaten finden Sie den Frachtführer Parcel, der den Transport von Versandeinheiten (hier: Pakete) an den Kunden Meyer Drogeriebedarf GbR durchführt.
Ein Akteur mit der Rolle Frachtführer wird im Warenausgang/Versand mit dem Transport von Sendungen an einen Kunden beauftragt. |
Ladehilfsmittel dienen zur Transportsicherung oder Unterstützung für den Transport bzw. Lagerung von Transporteinheiten. Dies sind normalerweise Paletten, Behälter, Container, u.s.w. Jedes Ladehilfsmittel ist einem Ladehilfsmittel-Stamm(LHM-Stamm) zugeordnet. Die LHM-Stamm beschreiben allgemeine Eigenschaften des Ladehilfsmittels, wie z.B. Abmessungen oder Eigengewicht.
Die Begriffe LHM, LHM-Stamm und LHM-Typ werden manchmal doppeldeutig verwendet: Ein LHM bezeichnet ein "echtes", physisch vorhandenes Ladehilfsmittel (z.B. eine Palette im Wareneingang). Dieses ist einem LHM-Stamm zugeordnet, der die allgemeinen Eigenschaften beschreibt und manchmal auch als LHM-Typ bezeichnet wird. Jeder LHM-Stamm ist wiederum einem Typen zugeordnet. |
Ein LHM-Stamm kann einem der folgenden Typen zugeordnet werden:
Zum Anlegen des Ladehilfsmittelstamms gehen Sie bitte unter Anlegen eines LHM-Stamms beschrieben vor.
Im Beispiel werden folgende, gängige LHM-Stämme angelegt:
Euro-Palette |
Behälter 60x40 |
Karton klein |
|
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Anhand dieser LHM-Typen wird u.a. die Belegung der Lagerplätze gesteuert. Seien Sie bitte zurückhaltend mit der Definition verschiedener Typen. Es gibt Einschränkungen, dass z.B. nur identische LHM-Typen auf einem Lagerplatz gelagert werden dürfen. Sind zu viele verschiedene LHM-Typen definiert, kann der Lagerplatz nicht mehr optimal genutzt werden. |
Mindestens ein Lager muss zu Beginn angelegt werden. Ein Lager ist die größte logische oder physische Einheit, in der Bestände verwaltet werden. Dabei kann es sich um ein Gebäude oder ein logisches Lager innerhalb eines Gebäudes handeln.
In den Beispieldaten sind die drei Läger enthalten:
Davon sind das Fertigwaren-Lager und das Produktions-Lager in einem Gebäude (s. Abbildung). Im Produktionslager werden Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe (RHB) verwaltet. Diese zugehörigen RHB Artikel werden typischerweise im Wareneingang vereinnahmt und dann ins Produktionslager eingelagert. Produzierte Ware wird als Fertigware im Fertigwarenlager gelagert und von dort in die Warenausgangszone gebracht.
Das Außenlager befindet sich außerhalb des Gebäudes (Hinweis: Er werden derzeit keine innerbetrieblichen oder außerbetrieblichen Transporte vom/zum Außenlager gesteuert). Im Beispiel wird auf die Zuordnung eines Lagers zu einem Mandanten verzichtet, da die Option Bestandsdaten mit Mandantenbezug Verwendung findet.
Ein Lagertyp beschreibt die Grundform eines oder mehrerer Lagerbereiche, die innerhalb eines Lagers installiert sind. Wichtigstes Attribut - neben der Bezeichnung - ist die Zuordnung einer Klassifizierung. Diese Klassifizierung hat einen funktionalen Charakter. Folgende Lagertypklassifizierungen sind standardmäßig vorhanden:
Das Anlegen eines Lagertyps wird im Kapitel Anlegen eines Lagertyps beschrieben. In den Beispieldaten werden folgende Lagertypen für das Fertigwarenlager angelegt:
Klassifizierung |
Lagertyp |
Bezeichnung |
Wareneingang |
Wareneingang |
Teil des Lagers, in dem Ware vereinnahmt wird |
Warenausgang |
Warenausgang |
Teil des Lagers, in dem Fertigware versandfertig gemacht wird |
Lagerung |
Regallager |
Ein klassisches Regallager |
Lagerung |
Bodenlager |
Ein Bodenlager mit Blockorganisation |
Transport |
Transportieren |
Bereiche zum Transportieren von Ware |
Verpackung |
Packbereich |
Bereich zum Packen von Versandeinheiten |
Versand |
Versendet |
Bereich für Ware, die das Lager verlassen hat und gelöscht werden kann |
Batterien |
Batterielager |
Bereich zur Lagerung von Batterien |
Es können beliebige andere Klassifizierungen angelegt werden. Beispielsweise eine Klassifizierung Batterien, für Lagerbereiche zur Lagerung von Batterien. Dazu wird zunächst ein Lagertyp Batterielager angelegt (Anlegen eines Lagertyps) und dann die entsprechende Klassifizierung Batterien erzeugt. Abschließend kann die Klassifizierung dem neu erzeugten Lagertyp zugeordnet werden (Zuweisen einer Klassifizierung zu einem Lagertyp).
Der Lagerplatzstamm beschreibt die Stammdaten für einzelne Lagerplätze. Der Lagerplatzstamm typisiert also Lagerplätze. Die Typisierung kann nach funktionalen, topologischen oder anderen individuellen Aspekten erfolgen.
Zum Anlegen eines Lagerplatzstamms gehen Sie wie unter Anlegen eines Lagerplatzstamms beschrieben vor. Auf die Zuordnung zu einem Mandanten wird bewusst verzichtet. Jeder Lagerplatz soll für einen beliebigen Mandanten genutzt werden können. Zu den wichtigsten Merkmalen gehören die Abmessungen (Länge, Breite, Höhe) und die Tragkraft des Lagerplatzes (das maximal erlaubte Gewicht). Typische Werte für einen Palettenlagerplatz sind z.B.
Desweiteren können Zuordnungskennzeichen gepflegt werden, die später Einfluss auf die Einlagerung haben. Dabei handelt es sich um folgende Kennzeichen:
Schließlich können noch zwei striktere Zuordnungen gepflegt werden:
Als Lagerplatz wird jeder physische Stellplatz des Lager bezeichnet, auf dem Ware gelagert werden kann. Normalerweise kann jeder Lagerplatz über einen Bezeichner (Barcode) identifiziert werden. Es gibt aber auch logische Lagerplätze, hinter denen nicht unbedingt ein konkreter Stellplatz stehen muss z.B. Wareneingang. Solch ein Lagerplatz wird auch als Systemplatz bezeichnet.
Das manuelle bzw. über Stapler bediente Lager besteht in der Regel aus Regalen, die typischerweise rückseitig aneinander gefügt sind. Jedes Regal ist über eine Gasse, die vom Mittelgang abzweigt, erreichbar und besteht aus Lagerfächern in horizontaler und in vertikaler Richtung. Die vertikalen Stützen werden als Regalsteher bezeichnet. Die horizontalen Träger als Traversen. Der Bereich zwischen zwei Regalstehern und zwei Traversen wird als Feld bezeichnet.
Alle Lagerfächer haben bestimmte Abmessungen und sind für die einfach tiefe Aufnahme von Ladehilfsmitteln (z.B. Europaletten) ausgelegt. An den Traversen befindet sich häufig pro Lagerfach ein Etikett, auf dem der Lagerplatzname als Barcode (evtl. mit einer Prüfziffer) und in Klarschrift kodiert ist.Der Lagerplatzname muss visuell leicht erkennbar sein und zur Identifikation eingegeben oder eingescannt werden können. Wird er per Barcode gescannt, sollte der Code möglichst kompakt ausfallen. Eine logisch verständliche und leicht erkennbare Unterteilung ist in jedem Fall wichtig.
Beispiel: A4-021-3
A4 = 4. Gasse im Fertigwarenlager
021 = Spalten oder x-Koordinate
3 = Ebene oder y-Koordinate
Im Beispiel findet sich u.a. ein Fachbodenplatz F1-013-1 mit folgenden Daten:
... und folgenden Stammdaten (Fachboden):
Bodenblockplätze werden meist so modelliert, dass mehrere Lagereinheiten darauf Platz finden. Die Bezeichnung ist in der Regel sprechender und nicht Koordinaten-basiert. Im Beispiel trifft das z.B. für die Warenausgangplätze WA-01 - WA-04 zu.
Der Artikelstamm ist neben dem Lagerplatzstamm die wichtigste Stammdatenkategorie, weil er wichtige Steuerkennzeichen für die Lagerprozesse enthält. Zum Anlegen eines Lagerplatzstamms gehen Sie wie unter Anlegen eines Stammartikels beschrieben vor.
Das wichtigste Merkmal eines Artikelstamms ist die eindeutige Artikelnummer. Sie wird als Referenz zu externen Systemen genutzt. Daneben gibt es weitere Identifier, die es ermöglichen den Artikel per Autoidentifikations-Technologie (Barcode, RFID) zu erfassen. Dafür stehen folgende Felder zur Verfügung:
RFID: Eine weitere, eindeutige ID, die per Radio Frequency Identification erfasst werden kann
Das nächste wichtige Konfiguration ist die des Mengentyps und der Standardeinheit. Mengentyp und Standardeinheit dienen später zum speichern von Mengenangaben und zum Umrechnen. Folgende Mengentypen können verwaltet werden:
In Zusammenhang mit der Standardeinheit kann die Anzahl Nachkommastellen verwaltet werden, in der Mengenangaben verwaltet werden sollen. Eine Mengenangabe besteht später aus formatiertem Zahlenwert und Einheit:
Verpackungen werden pro Artikelstamm definiert. Alle Verpackungen, die überhaupt zu einem Artikel verwaltet werden sollen, müssen hier definiert werden. Wichtigstes Kriterium der Verpackung ist die enthaltene Menge des Artikels. Diese wird dann immer in einer zählbaren Standardeinheit (Stück) verwaltet. Besondere Bedeutung kommt der Verkaufsverpackung und der Lagerverpackung zu. Die Verkaufsverpackung gibt an, in welcher Verpackung der Artikel versendet wird. Die Lagerverpackung gibt die Verpackung an, in der der Artikel gelagert wird.
Nicht verwechselt werden darf die Verpackung und das Ladehilfsmittel. Soll das Ladehilfsmittel (z.B. Palette) als Verpackung verwaltet werden, ist dafür eine Verpackung anzulegen. |
Artikel können chargengeführt, seriennummergeführt oder verfallsdatumgeführt werden. Danach unterscheidet sich, was für Daten zwingend zu einer Lagereinheit erfasst werden müssen und wie bei der Auslagerung damit umzugehen ist:
Zu jedem Stammartikel können Abmessungen und das Gewicht verwaltet werden. Diese Steuerkennzeichen - sofern gepflegt - dienen später zur Bestimmung eines geeigneten Lagerplatzes. Ein passender Lagerplatz muss entsprechend lang, breit und hoch sein und über ausreichend Tragkraft verfügen, um eine gegebene Menge des Artikels aufzunehmen.
Wenn bei den Abmessungen Werte angegeben werden und von der Realität abweichen, kommt es in den nachfolgenden Prozessen zu Fehlberechnungen!
Wenn bei den Abmessungen Werte angegeben werden und von der Realität abweichen, kommt es in den nachfolgenden Prozessen zu Fehlberechnungen! |
Bei der Erzeugung von Lagertypen wurde beschrieben wie das Anlegen von Lagertypen mit eigener Klassifizierung funktioniert. Die Klassifizierungen können genutzt werden, um einem Stammartikel einen Lagerbereich zuzuweisen, in dem der Artikel gelagert werden soll. Dabei unterscheidet man die verpflichtende Lagertyp-Klassifizierung und die bevorzugte Lagertyp-Klassifizierung:
In der Lagerhaltung wird mittels der ABC Strategie versucht, A-Artikel, die häufig aus- und eingelagert werden, möglichst dort einzulagern, wo ein späterer Zugriff mit kurzen Wegen verbunden ist (A-Zone). Umgekehrt sollen C-Artikel, die selten bewegt werden, in den weniger zugänglichen Bereichen (C-Zone) gelagert werden. Die ABC Klassifizierung eines Stammartikels ensteht durch die Klassifizierung aller Artikel eines Sortiments nach bestimmten Kriterien, z.B. Absatzmenge, Umschlaghäufigkeit (Umschlagrate) oder Zugriffshäufigkeit. A-Artikel haben hohe Absatzmengen, Umschlagraten oder Zugriffshäufigkeiten, C-Artikel geringe.
Alternativ zum schrittweisen Anlegen der Stammdaten mit der Web App Stammdaten können die Stammdaten als .csv Datei mit der UtilApp Daten Import importiert werden.
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