Ein Artikel im Lager wird über eine Artikelmenge auf einer Transporteinheit als kleinste Einheit die Lagereinheit verwaltet. Alle anderen Bestandsaussagen sind ausschließlich (Ausnahme Virtuelle Bestände) nur Sichten auf diese Lagereinheit. Fest zu einer Lagereinheit gehört der Verweis auf den Artikelsatz. Ein Artikelsatz wiederum stellt die Beziehung zwischen einem Artikelstamm und der Lagereinheit her. Es besitzt zusätzliche Eigenschaften, eine Ausprägung des Artikels sind (z.B. Charge).
Die Menge des Artikels wird im Feld Menge gepflegt. Eine Artikelmenge ist als Menge gemessen in der Basiseinheit des Artikels. Die Verpackung wird über eine zusätzliche Beziehung zu einem Artikel aufgebaut.
Bezüglich der Bestandsbildung werden damit folgende Eigenschaften festgelegt:
Eigenschaft |
Verwendung |
Mandant |
Besitzer der Ware im Lager.
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Charge |
Charge des Artikels. Der Artikelstamm legt fest, ob ein Artikel chargengeführt ist oder nicht. Bei Chargenführung muss immer eine Charge vorhanden sein. |
MHD |
Mindesthaltbarkeitsdatum einer Ware. Dies muss nicht unbedingt die Eigenschaft einer Charge sein, sondern sollte auch pro Artikel gepflegt werden. Auch hier legt der Artikelstamm die Führung fest. |
Serialnummer |
Serialnummerngeführte Waren (typischerweise Elektro-Artikel) werden als Individuum im Lager verwaltet. Dies erhöht drastisch den Buchungsaufwand in jedem Bereich und sollte nur bei Notwendigkeit hinterlegt werden. |
Verpackung |
legt die Verpackung einer Ware fest. Ein Artikel kann in vielen Verpackungen im Lager verwaltet werden. Dies sind normalerweise nicht verschiedene Verkaufsverpackungen, da diese eine eigene Artikelnummer haben, sondern Packformen für Lagerung und Versand. Hier besteht auch z.T. die Notwendigkeit von Umpackvorgängen. |
Menge |
Artikel in der Basismengeneinheit. Evtl. Packmengen - also Menge der Verpackungen - müssen über die Verpackung ermittelt werden. |
LHM |
Das verwendetet primäre Ladungshilfsmittel (z.B. Euro-Palette) einer Transporteinheit. |
Lagerplatz |
Der Lagerplatz auf dem die Ware sich gerade befindet. Dies können virtuelle Lagerplätze sein wie z.B. "Unterwegs" oder auch reale Lagerplätze im Lager. Die Lagerplätze können hierarchisch aufgebaut werden, so dass evtl. Bestandsauskünfte diesen Hierarchien folgen können müssen. |
Reservierungen |
Reservierungen auf Artikel sollen festlegen, dass eine Ware im Lager nicht mehr frei verwendet werden kann, sondern bereits für einen Auftrag (order) vorgesehen(reserviert) ist. Das Verwenden der reservierten Ware ist nur für den Auftrag erlaubt, der die Reservierung ausgelöst hat. |
Sperren |
Sperren auf einem Artikel dienen zur weiteren Einschränkung der Verwendung von Waren. Sperren sind nicht auftragsbezogen, wie Reservierungen, sondern bestandsbezogen. Die Verwendbarkeit von gesperrter Ware wird differenziert. |
Alle diese genannten Eigenschaften von Beständen sind z.T. für die potentiellen Kunden wichtig und müssen angezeigt, gruppiert oder abgefragt werden können.
Neben den o.a. Eigenschaften von Beständen sind Bestandssichten für den Überblick über die Bestände üblich bzw. in Verwendung. Diese Bestandssichten müssen von den Apps unterstützt werden, damit sie praktisch eingesetzt werden können.
Die Summierung der Bestände nach den o.a. Bestandskriterien stellen wichtige Auskunftsfunktionen für die Anwender dar. Die einfachste Art der Summierung erfolgt über die Artikel, so dass für alle Artikel der Bestand ausgewiesen werden kann.
In kommerziellen Systemen (ERP-Systeme wie SAP, SAGE, MS-Dynamics, etc.) werden die Bestände außerhalb des Lagerverwaltungssystems rein summarisch gehalten (s.o.). Für gewisse Aspekte (Verfügbarkeit, Bewertungen, etc.) werden allerdings sogenannte Bestandsarten unterschieden. Typische Bestandsarten für Legacy-Systeme sind:
freier Bestand
Ware, die jederzeit für Aufträge (Fertigungsaufträge oder Bestellungen/Versandaufträge) verwendet werden kann.
reservierter Bestand
Ware mit Auftragsbezug, die zwar noch im Lager stehen kann, aber schon für Aufträge reserviert ist. Keine freie Verwendung mehr möglich.
gesperrter Bestand
Ware ist aus diversen Gründen gesperrt und kann ohne eine Freigabe nicht verwendet werden. Sperrbestände können weiter differenziert werden.
Qualitätsbestand
Ware die noch nicht von der Qualitätssicherung freigegeben wurde und damit noch nicht verwendet werden darf.
Diese grundlegenden Bestandsarten sind je nach verwendeten ERP-System noch weiter aufzuschlüsseln. Typischerweise sind im ERP-Systemen dazu tabellarische Sichten der summarischen Artikelbestände (evtl. Hierarchisch über Artikel-/Warengruppen) mit der Aufschlüsselung der Bestände in Spalten zu sehen.
Summation der Bestandsarten Jeder atomare Artikelsatz- also der Bestand auf einem Ladungsträger - kann gleichzeitig zu mehreren Bestandsarten gezählt werden. Dies sind zum einem die Zuordnung zu freien oder reservierten Beständen und zum anderen die Sperren (s.u.). Aus diesem Grund ist in einer Bestandssicht die Summe aller Bestände nicht gleich der Summe aller Bestandsarten! |
Waren können in verschiedenen Verpackungen gelagert werden. Unterschieden werden müssen:
Das Konzept für Verpackungen klärt dazu die Details.
Neben der Verpackung der Waren kann im Einzelfall auch der Aufbau der Palette (LHM) wichtig für den Versand sein. Dies können Kundenanforderungen aus dem Vertrieb sein, oder auch für eine Optimierung der Beladung von LKWs relevant sein.
Palettierungen sind somit durchaus bestandsrelevante Informationen. Eine Liste von Artikelbeständen aufgeschlüsselt nach der Art der Palettierung kann für die Planung des Versands entscheidend sein. Falls die Palettierungen nicht passen, kann in einem eigenen Arbeitsschritt, dem sogenannten "Umpacken", die Ware versandbereit gemacht werden.
In den Bitergo WMS Apps sind die wichtigsten Palettierungsinformationen verfügbar:
Eigenschaft |
Verwendung |
Palettentyp |
Die Stammdaten zu den Ladungsträgern legen die Palettentypen (LHM-Stamm) fest. Die enthaltenen Felder "material" und "type" sind für weitere Strukturierungen der Stammdaten gedacht. |
Palettenhöhe |
Höhe der Palette für Verladungen wichtig |
Palettengewicht |
Gewicht der Palette für Verladungen und Einlagerungen relevant. |
Die weiteren Informationen werden im Bereich der Bitergo WMS nicht verwendet.
Bestände in einem Lager können verschiedenen Mandanten (tenants) gehören. Dies ist in Lagern von Logistik-Dienstleistern üblich. Dort wird die Ware für die Mandanten gelagert, kommissioniert und versandt. Weitere Dienstleistungen wie beispielsweise Etikettierungen sind ebenfalls üblich.
Die Bitergo WMS Apps unterstützen die Lagerung von Mandantenware. Mandanten haben ebenfalls Ihre eigenen Artikelstämme (ItemMaster), so dass auch die gleichen Artikel-Nummern bei verschiedenen Mandanten vorkommen können. Bestandssichten können nach Mandanten gefiltert werden. Bei direktem Zugang von Mandanten zum System kann dieser Bereich auch über Berechtigungen abgesichert werden.
Im Gegensatz zu Mandantenbeständen sind die Konsignationsbestände, Waren die noch den Lieferanten gehören. Der Lieferant nutzt sozusagen das Lager des Lagerbetreibers als Zwischenlager für eine höhere Lieferbereitschaft. Konsignationsbestände werden ebenfalls über die Mandanten (tenants) abgebildet. Konsigationationsbestände verwenden jedoch den Artikelstamm des Betreibers (Role="CUSTOMER") des Lagers.
Bei der Entnahme (Anbruch) von Konsignationsbeständen werden die Waren auf dem Ladungsträger auf den Betreiber des Lagers (Kunde) umgebucht. Im angeschlossenen ERP-Sytem wird dann i.d.R. eine entsprechende Abrechnung veranlasst.
Neben den Beständen, die auf den Artikeln basieren, also physikalisch im Lager stehen müssen, werden teilweise auch virtuelle Bestände geführt. Typisch hierfür ist der sogenannte AVIS-Bestand. Dies ist die kurzfristig avisierte Ware, die normalerweise am gleichen Tag bzw. in den nächsten Stunden eintreffen soll. Diese Bestände ergeben sich aus den Versandmeldung der Lieferanten und werden für Bypass-Mechanismen und andere Strategien verwendet.
Änderungen an den Beständen werden ausschließlich auf Basis der kleinsten Einheit - also der Lagereinheit- durchgeführt. Auch Massenänderungen müssen auf die einzelnen Lagereinheiten übertragen werden. Dies ist unabdingbar, da es unterschiedliche Bestandssicht mit völlig unterschiedlichen Granularitäten gibt.
Bestandsänderungen werden analog zu den Bestandsformen unterschieden:
Jede Änderung an den Geschäftsobjekten (Transporteinheit inkl. Lagereinheit, Artikel+Artikelstamm, Lagerplatz,, ...) die zu unterschiedlichen Bestandssichten führen kann ist eine relevante Bestandsänderung.
Für gewisse Auftragsarten können Bestände im Lager reserviert werden. Bestandsreservierungen werden i.d.R. für Kommissionierungen (Picklist) erfolgen und beziehen sich immer auf konkrete Lagereinheiten. Für eine Kommissionierliste werden im Zuge einer Auslagerstrategie die zu pickenden Waren (konkrete Lagereinheiten) ausgewählt und mit Reservierungen markiert.
Reservierung sind auftragsbezogene Sondersperren auf einer Lagereinheit. Durch den Auftragsbezug kann der Auftrag selber über diese Lagereinheit verfügen, aber kein anderer Auftrag die Ware verwenden.
Bestandsänderungen auf reservierten Waren - das trifft auf alle zu - sollten grundsätzlich nicht gemacht werden. Die einzig erlaubte Bestandsänderung ist die Bestandsänderung durch den Auftrag.
Eine besondere Bestandsänderung ist das Sperren von Beständen. Sperren sind Merker pro Lagereinheit, die eine Verfügbarkeit der Ware potentiell verändern. Im Gegensatz zu Reservierungen haben sie keinen Auftragsbezug und benötigen eine eigenes Management-Objekt. Der Einfachheit halber wird dieses Objekt "Sperre" genannt.
Eine Sperre verwaltet die Sperrung von Beständen. Zu einer Sperre gehören 1..n Sperrpositionen, die einen festen Bezug zu den Beständen haben. Rein fachlich sind diese Bezüge auf verschiedenen Ebenen denkbar:
Artikelstamm (ItemMaster) --> Artikelstamm muss insbesondere für Einlagerungen gesperrt werden, also zu einem Zeitpunkt wenn noch keine Lagereinheiten existieren.
Lagereineiten haben enge Beziehungen zu anderen Geschäftsobjekten die prinzipiell ebenfalls gesperrt werden können. Alle Geschäftsobjekte verfügen über einen Status, der auch üblicherweise ein 'gesperrt' vorsieht. Mit dem Sperren des Lagerplatzes können beispielsweise theoretisch auch alle Lagereinheiten, die sich auf dem Platz befinden, nicht mehr herangezogen werden.
Kein Erben von Sperren Indirekte Sperren werden nicht unterstützt, falls dies gewünscht ist, müssen noch zusätzliche Bestandsperren gesetzt werden. Bitte beachten bei: Lagerplatz, Lagerplatzstamm, LHM-Stamm, Mandant, Mandanten-Stamm und Lager. |
Der Sperr-Status legt fest, ob eine Sperre überhaupt aktiv ist. Nicht aktive Sperren sind beispielsweise sinnvoll, wenn sie nach einer Zeit automatisch gesetzt werden bzw. wieder aufgehoben wurden. Ein typisches Beispiel dafür sind Quarantäne-Sperren.
Das Löschen von Sperren sollte aus Dokumentationsgründen erst mit einer Reorganisation des Datenbestands erfolgen.
Nicht jede Sperre ähnelt in den Auswirkungen einer anderen Sperre. So ist z.B. für eine InventurSperre unabdingbar, dass die Lagereinheit nicht mehr bewegt werden darf. Ein Bewegen wiederum ist bei Quarantänesperren durchaus möglich. Die Auswirkungen einer Sperre kann an den Bestandsänderungen festgemacht werden:
Diese Auswirkungen können alternativ und kumulativ gewählt werden. Ausschließlich "keine Auswirkungen" ist ein Sonderfall und dient nur der Erläuterung.
Bestandsarten werden durch Sperren ebenfalls beeinflusst. Bei jeder Sperre (Sperr-Stamm) können unterschiedliche Zielbestandsarten eingegeben werden. Eine Ware, die dann mit einer solchen Sperre versehen wird, zählt ab sofort zu einer anderen Bestandsart.
Somit können 'Sperr-Bestände' und 'QS-Bestände" unterschieden werden. Da prinzipiell mehrere Sperren pro Lagereinheit gesetzt werden können, ist die Zuordnung einer Lagereinheit zu einer Bestandsart nicht exklusiv. Daraus folgt, dass die Summe der Bestandsarten zu einem Artikel nicht gleich dem Gesamtbestand des Artikels ist.
Die möglichen Bestandsarten sind konfigurierbar (Aufzählungen). Typische Sperr-Bestandsarten sind als Default:
Weitere Bestandsarten (wie z.B. "2.Wahl", "Retoure", "Nacharbeit", etc.) müssen im Einzelfall eingerichtet werden.
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